Aus alt mach neu – Vintagemöbel

Eigene Kreationen auf alt getrimmt – Vintage Do it yourself

Zwischen kühlen Designermöbeln oder edlen Antiquitäten zu wohnen, ist nicht nur teuer, sondern auch nicht jedermanns Geschmack. Wer handwerklich geschickt ist, baut sich seine Einrichtung vielleicht lieber selbst. Wer zwei linke Hände hat und weniger ausgeben möchte oder kann, geht ins preiswerte Möbelhaus. Oder er weicht aus auf den Trödelmarkt, streift durch Secondhand-Läden und klappert den Sperrmüll ab. Doch wirklich schöne Fundstücke sind selten. Was tut man also in solch einer Situation?

Used look oder was hat Wohnen mit einer ausgewaschenen Jeans zu tun?

Vintage ist mehr als alt. Es ist ein Lifestyle mit Verweis-Charakter. Denn eigentlich kommt das Wort aus der Weinsprache und meint neben der Weinlese den Wein eines bestimmten Jahrgangs. Es handelt sich dabei also nicht um diffuses Retro, sondern hat stets ein Referenzdatum, oft ein Jahrzehnt, und weist etwas als ein zu Unrecht Vergessenes aus – beispielsweise in Bezug auf Mode, Fotos, Schmuck, Autos und Möbeln.

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Es ist ein Wert, den es zu entdecken gilt. Umgekehrt hat, wer Vintage entdeckt, die Nase vorn. Siehe Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung des Jahres 2001. Denn Finder sind Gewinner. Vintage ist also eine Liebeserklärung an die Individualität, was wohl auch seine Beliebtheit erklärt. Rachel Ashwell, die Begründerin des Shabby Chic, war es, die das Konzept der ausgewaschenen Jeans auf Mobiliar übertrug. Used look, wohin das Auge blickt: Sofa, Kommode, Sessel, Kleiderschrank, Sideboard, Tisch und Stühle. Alles in Whitewash und Milkpaint, in matten, satten Pastellfarben, mit ein paar romantischen Akzenten – Blumensträußen, Kronleuchtern, Puppen – und in gewisser Weise ein betont weiblicher Lifestyle.

Möbel werden vermöbelt

Nichts spricht dabei gegen die Option, sich sein Furniture selbst zu machen. Denn Do-it-yourself ist angesagt wie Used look und macht auch noch Spaß! Einzige Bedingung: Vollholz. Aus Kunststoff, Metall oder Pressspan mit Furnier lässt sich kein wirklicher Aus-alt-mach-neu-Lifestyle zaubern. Doch bereits mit Paletten, Obstkisten, Brettern oder ausrangiertem Echtholzmobiliar können wir loslegen.

Am besten bereiten wir das Holz zunächst vor, denn das Möbel soll alt und gebraucht aussehen, muss also rau sein und viele Schichten neuer Farbe, die wir dann teilweise wieder abschmirgeln, aufnehmen können. Dazu dienen uns beispielsweise Schmirgelbürste, Schwingschleifer, Soda, Ammoniak und WC-Reiniger. Anschließend kann man das Holz dunkel beizen und verschiedene Farben nacheinander auftragen. Mit Lappen und Schleifpapier wischen und schmirgeln wir dabei die obere Farbschicht von der unteren wieder ab – am besten dort, wo Möbel beim Gebrauch als erstes abgenutzt werden, an Ecken und Kanten. Dafür können wir mit hellen Pastellfarben arbeiten, für die graue und abgenutzte Schiffsholzoptik hingegen arbeiten wir zuerst mit dunklen Farben. Schwundrisse, die ein echtes Zertifikat für Alter sind, erzeugen wir mit einem Reißlack aus flüssigem Gummi, der möglichst schnell trocknen sollte. Dafür helfen wir mit einer Heißluftpistole nach. Brandstellen erzeugen wir mit einem Bunsenbrenner. Eindrücke ins Holz, Abstoßungen und Kerben lassen sich mit Metallstücken (Schlüsseln) und einem Hammer einbringen. Und schließlich misshandeln wir unsere Used-look-Möbel kräftig mit einer ausgedienten Fahrradkette. Auch mit Kerzenwachs lassen sich tolle Effekte erzielen. Für die Découpage-Technik (von frz. découper = ausschneiden) verwenden wir entweder selbstgemaltes oder auch gekauftes Découpage-Papier mit wunderschönen romantischen Blumen, vor allem Rosen, vielleicht auch anderen Old-fashioned-Motiven wie Noten, alten Labeln oder Art-Nouveau-Mustern.

Unser Tipp: Wer keine Lust auf die Jagd nach alten Einrichtungsgegenständen hat, der findet vielleicht in seinem eigenen Mobiliar noch das eine oder alte gute Stück, das dringend einer Verschönerung bedarf. Worauf warten wir noch: Nichts wie ran – do it yourself!